Was sollen Krebspatienten essen – und was nicht?

Was sollen Krebspatienten essen – und was nicht?

Ernährungstherapie

Was sollen Krebspatienten essen – und was nicht?
Was sollen Krebspatienten essen – und was nicht?

Die Bedeutung der Ernährung für unsere Gesundheit wurde lange unterschätzt. Viele Krankheiten hängen direkt oder indirekt mit einer Fehlernährung zusammen, lassen sich aber durch eine Anpassung des Lebensstils sehr effektiv beeinflussen. Das gelte ganz besonders für Krebserkrankungen, erklärt der Hamburger Ernährungsspezialist Dr. Matthias Riedl. 20 Prozent der Krebsfälle seien direkt auf Übergewicht zurückzuführen – und auf der anderen Seite sei jeder dritte Krebstote nicht auf den Krebs selbst zurückzuführen, sondern auf falsche Ernährung: „Viele schieben den Gewichtsverlust auf die Erkrankung und denken, der Tumor verbrauche die Energie, man magere ab und sterbe schließlich“, so Dr. Riedl. Doch das sei ein Trugschluss: „Tatsächlich sterben 30 Prozent der Patienten nicht an ihrem Krebs, sondern an Unterernährung.“ Sobald eine Krebserkrankung diagnostiziert wird, sollte sofort eine Ernährungsanalyse erfolgen und eine Ernährungstherapie eingeleitet werden, fordert Dr. Riedl.

„Viele Patienten nehmen sonst so stark ab, dass sie für eine Chemotherapie zu mager sind“, so der Ernährungsspezialist. „Der Abbau von Muskelmasse verschlechtert die Verträglichkeit der Chemotherapie, und die Gefahr entzündlicher Veränderungen steigt. Zugleich fühlen sich die Patienten immer schlapper, ihr Kreislauf kommt nicht in Schwung, sie bewegen sich weniger und die Muskeln werden immer schneller abgebaut.“ Deshalb sei es wichtig, dass die Patienten gar nicht erst an Gewicht verlieren, so Dr. Riedl. Dass sie durch die Medikamente an Appetitlosigkeit und Übelkeit litten und deshalb ihre normalen Speisen nicht mehr zu sich nähmen, sei völlig normal: „Wir müssen uns also überlegen, wie wir ihre Ernährung so verändern, dass die Patienten die Speisen auch vertragen und gern essen.“ In jedem Fall komme eine Anpassung der Ernährung dem Wohlbefinden der Patienten zugute: „Sie fühlen sich fitter und wohler. Und das ist genau das, was für Krebspatienten besonders wichtig ist.“

Essen gegen den Krebs
Der erste Schritt sei immer die Analyse, ob der Patient alles bekommt, was er braucht. Am wichtigsten sei die Deckung des Eiweißbedarfs: 1-1,2 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht am Tag. Einen zusätzlichen Bedarf hätten Krebspatienten in der Regel nicht, aber die normale Menge müssten sie zu sich nehmen, da es bei zu wenig Eiweiß in der Nahrung automatisch zum Muskelabbau komme. „Es kann auch sein, dass ein Patient seine gewohnten Speisen nicht mehr so gut verträgt und wir Alternativen finden müssen.“ So entwickelten viele Krebspatienten eine Abneigung gegen Fleisch, berichtet Dr. Riedl: „Wir arbeiten dann mit pflanzlichen Eiweißquellen – die sind eh gesünder. Nüsse und Hülsenfrüchte sind zum Beispiel hervorragende Eiweißlieferanten. Der zweite wichtige Faktor: Eine gemüsereiche Ernährung, denn Pflanzen enthalten neben vielen entzündungshemmenden auch sekundäre Pflanzenstoffe, die das Krebswachstum behindern“, erklärt Dr. Riedl.

Dr. Matthias Riedl, Ernährungsspezialist und TV-Ernährungs-Doc aus Hamburg
Dr. Matthias Riedl,
Ernährungsspezialist und
TV-Ernährungs-Doc
aus Hamburg

Derzeit werde zum Beispiel die Wirksamkeit von Brokkoli und anderen Kohlsorten gegen Krebs intensiv erforscht. Insgesamt gebe es mehr als 100.000 sekundäre Pflanzenstoffe, die gegen Krebszellen wirksam sein könnten. Diese Chance sollte man den Patienten nicht vorenthalten, meint Dr. Riedl, auch wenn erst einige wenige dieser Wirkstoffe gründlich erforscht seien.
Was Krebspatienten meiden sollten

Da Zucker und Weizenmehlprodukte die Entzündungsneigung fördern, sollten sie für Krebspatienten genauso tabu sein wie Rauchen und Alkohol, der das Immunsystem schwächen kann, warnt Dr. Riedl. „Ganz wichtig ist es, die Krebspatienten im Verlauf ihrer Erkrankung ernährungsmedizinisch zu begleiten“, betont Dr. Riedl: „Nur einmal eine Ernährungstherapie zu machen, ist zu kurz gegriffen, denn die Anforderungen ändern sich im Laufe der Zeit.“ Als Ideal habe sich eine Beratung einmal pro Quartal erwiesen, so Dr. Riedl: „Das kann die Prognose der Erkrankung um 50 bis 100 Prozent verbessern, ein gigantischer Effekt!“

Auszug Anzeige aus dem Hamburger Ärztemagazin, erschienen am 14.09.2017

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