Gutartige Prostatavergrößerung

Laserverfahren haben die Nase vorn

Gutartige Prostatavergrößerung

Gutartige Prostatavergrößerung

Mit einer gemeinsamen großen Studie haben die Urologen der Hamburger Asklepios Kliniken Barmbek, Harburg, Altona und St. Georg für Aufsehen in der Fachwelt gesorgt: In ihrer Arbeitsgruppe hatten sie die Daten aller in den Jahren 2011 bis 2014 an einer gutartigen Prostatavergrößerung operierten Patienten zusammengestellt und ausgewertet. „Diese Daten haben wir schon sehr früh für die Qualitätssicherung aufgezeichnet, ihr darüber hinausgehendes wissenschaftliches Potential aber bisher nicht genutzt“, sagt Prof. Dr. Thorsten Bach, Chefarzt der Urologie im Asklepios Klinikum Harburg. Insgesamt kamen knapp 2.700 Patienten zusammen, die entweder mit der Laserenukleation behandelt wurden, bei der das überschüssige Prostatagewebe von der Harnröhre aus per Laser ausgeschält und abgesaugt wird, mit der Laservaporisation, bei der das Gewebe verdampft wird, oder mit der klassischen Prostataresektion (TURP), bei der es mit einer heißen Schlinge ebenfalls von der Harnröhre aus abgetragen wird.

An dieser sehr großen Patientenzahl konnten die Urologen den Krankheitsverlauf rund um die drei Verfahren vergleichen: Wie lange lagen die Patienten im Krankenhaus? Traten Komplikationen auf? Wie lange dauerte die Operation und wie ist das Ergebnis? Im ersten Schritt prüfte ein Doktorand die 2.700 Akten auf Komplikationen, Operationsabbrüche und wiederholte Eingriffe, erklärt Prof. Bach.

Zwischenergebnisse
Dabei wurde klar, dass alle OPVerfahren ihren Zweck erfüllen. Die Patienten hatten weniger Probleme beim Wasserlassen und behielten weniger Restharn in der Blase zurück. Doch es gab auch Unterschiede: Die Liegezeit im Krankenhaus war bei den Laserverfahren einen Tag kürzer als bei der klassischen Resektion. Bei der Verdampfung des Gewebes mit dem Greenlight-Laser traten am wenigsten Komplikationen wie Blutungen auf, obwohl viele der damit operierten Patienten Gerinnungshemmer einnahmen und damit ein erhöhtes Blutungsrisiko hatten. Als effektivstes Verfahren erwies sich allerdings die Laserenukleation, vor allem bei einer stark vergrößerten Prostata.

Dann folgte der zweite, noch spannendere Teil der Studie, erzählt Prof. Bach: „Wir haben den Patienten einen Fragebogen geschickt, darin nach noch bestehenden Symptomen der Prostatavergrößerung wie Urinverlust gefragt und auch nach der Lebensqualität der Patienten.“ Bei der bisher noch nicht veröffentlichten Auswertung erwiesen sich die Laserverfahren auch in der Lebensqualität und bei den Beschwerdebildern als deutlich überlegen. Die Laserenukleation schnitt dabei noch etwas besser ab als die Vaporisation und die TURP. Generell komme es nur sehr selten zu einem unfreiwilligen Urinverlust nach der Operation, so Prof. Bach, bei den Laserverfahren noch deutlich seltener als nach einer Resektion. Zudem seien nach einem Lasereingriff weniger Patienten weiter auf Medikamente angewiesen und auch das bedeute einen großen Unterschied für die Lebensqualität. Bei der Frage nach ihrer Zufriedenheit hatten die Laserverfahren ebenfalls die Nase vorn: Zwar würden sich mehr als 90 Prozent aller Patienten dem Eingriff noch einmal unterziehen, doch bei der TURP waren es 91 Prozent, beim Laser sogar 97 Prozent!

„Die Laserverfahren sind keine Revolution, die alles umkehrt. Aber sie verbessern ein gutes Verfahren noch weiter.“

Prof. Dr. Thorsten Bach, Chefarzt der Urologie im Asklepios Klinikum Harburg
Prof. Dr. Thorsten Bach, Chefarzt der Urologie im Asklepios Klinikum Harburg

Prof. Dr. Christian Gratzke, Prostataspezialist der Ludwig-Maximilians-Universität München
Prof. Dr. Christian Gratzke, Prostataspezialist der Ludwig-Maximilians-Universität München

Besonders wertvolle Daten aus Hamburg
Bei Zulassungsstudien neuer Behandlungsverfahren werden definierte Gruppen mit Patienten gleichen Alters und gleichen Befunden ohne Vor- und Begleitkrankheiten verglichen. „Diese Studien sind notwendig, um zu zeigen, ob ein neues Verfahren leistet, was es leisten muss“, so Prof. Bach: „Die spannende Frage ist aber, ob wir diese Ergebnisse auch ins wahre Leben übertragen können, wenn der Patient viel jünger oder älter ist, gerinnungshemmende Medikamente einnimmt und viele Vorerkrankungen hat.“

Das sei eine ganz andere Situation, bestätigt Prof. Dr. Christian Gratzke, Prostataspezialist der Ludwig-Maximilians- Universität München. Zudem nähmen an den Zulassungsstudien nur erfahrene Operateure teil, die das jeweilige Verfahren perfekt beherrschen, während in der Realität unterschiedlich erfahrene Operateure zum Einsatz kämen. „Welchen Einfluss das auf die Ergebnisse hat, lässt sich nur im realen Leben beobachten“, so Prof. Gratzke.

„Zudem stand den Hamburger Urologen ein Datenpool zur Verfügung, wie er normalerweise gar nicht existiert – und schon gar nicht im Vergleich zwischen drei OP-Verfahren. Die Auswertung der Daten einer so großen Anzahl realer Patienten sei sehr spannend und ein wertvoller wissenschaftlicher Schatz, so Prof. Gratzke. Wie Prof. Bach sieht auch er in der Laserenukleation das Therapieverfahren der Zukunft und setzt es inzwischen bei den meisten seiner Patienten ein. In den gut ausgestatteten Hamburger Kliniken wird bereits heute jeder zweite Patient mit dieser Technik behandelt, bei jedem fünften wird das Gewebe mit dem Laser verdampft. Damit ist die Hansestadt ein Vorreiter, denn bundesweit wird erst jeder zehnte Patient mit einem Laserverfahren behandelt.

Auszug Anzeige aus dem Hamburger Ärztemagazin, erschienen am 14.09.2017

0

0%