Bewegung schützt vor Krebs

TRAINIEREN

statt Schonen

Bewegung schützt vor Krebs
Bewegung schützt vor Krebs

Möglichst viel schonen und bloß keine körperliche Belastung, weil der Körper alle Kraft für den Kampf gegen den Tumor brauche: Das war früher die gängige Empfehlung für Krebspatienten. Doch diese Theorie war genau der falsche Weg, wie sich mittlerweile herausgestellt hat. Heute raten Mediziner ganz im Gegenteil zu möglichst viel Bewegung und wenn möglich auch sportlicher Betätigung. „Wir wissen heute viel mehr; vor allem in den vergangenen zehn Jahren wurden rund 170 aussagekräftige Studien zu diesem Thema publiziert“, berichtet Priv.- Doz. Dr. Freerk Baumann, Leiter der fachübergreifenden Arbeitsgruppe Onkologische Bewegungsmedizin an der Uniklinik Köln. „Dadurch ist die Bewegung auch in der Medizin angekommen.“ Die Studien belegten, dass körperliches Training bei Krebspatienten die Nebenwirkungen der medizinischen Therapie reduziert und so den Behandlungsverlauf verbessern kann, so Dr. Baumann.

Bewegung wirkt dem Fatiguesyndrom entgegen, fördert die körperliche Leistungsfähigkeit, stabilisiert die Psyche und steigert so nachhaltig die Lebensqualität der Patienten während der Therapie und in der Nachsorge. Zudem gibt es erste Hinweise darauf, dass Bewegung bei einigen Krebserkrankungen auch das Gesamtüberleben verbessern kann. Wie genau diese Effekte zustande kommen und was dabei auf molekularer Ebene im Körper passiert, ist bislang noch nicht geklärt und Gegenstand der aktuellen Forschung. Gemeinsam mit der Deutschen Sporthochschule Köln erforscht Dr. Baumanns Team diese Zusammenhänge seit 2012 im Projekt „Onkologische Trainingstherapie“. Dafür wurde in den Räumen der Frauenklinik der Universität eine Trainingsfläche speziell für Krebspatienten eingerichtet.

Mediziner, Sportwissenschaftler und Psychologen betreuen die Patienten, beobachten die Trainingserfolge und passen die Trainingspläne individuell an die Möglichkeiten der Patienten an. Auf diese Weise wollen die Forscher die wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Praxis umsetzen und Trainingsempfehlungen für die häufigsten Krebserkrankungen entwickeln. „Es geht hier nicht um Sport, sondern um Bewegungstherapie“, betont Dr. Baumann. Sie wird während der medizinischen Behandlung durchgeführt. Sofern keine Komplikationen auftreten, könnten die Patienten im Abschluss an die Krebstherapie wieder in einem normalen Sportverein trainieren, während der medizinischen Therapie müssten die Bewegungsprogramme aber individuell auf den Patienten abgestimmt werden.

Priv.-Doz. Dr. Freerk Baumann, Leiter der fachübergreifenden Arbeitsgruppe Onkologische Bewegungsmedizin an der Uniklinik Köln
Priv.-Doz. Dr. Freerk Baumann,
Leiter der fachübergreifenden Arbeitsgruppe
Onkologische Bewegungsmedizin
an der Uniklinik Köln

Bewegung schützt vor Krebs
Wer regelmäßig Sport treibt, beugt Krebserkrankungen vor. Wissenschaftlich belegt sei das bereits für Brust-, Dickdarm- und Gebärmutterkrebs, so Dr. Baumann: „Bei diesen Tumoren lässt sich das Risiko durch regelmäßige körperliche Aktivität um 20 bis 30 Prozent senken. Das bedeutet 150 Minuten pro Woche.“ Und tritt dennoch eine Krebserkrankung auf, haben die Patienten nachweislich ein geringeres Rückfallrisiko, wenn sie vorher regelmäßig Sport getrieben haben. Von einer Änderung ihres Lebensstils profitieren aber auch Patienten, die vor ihrer Erkrankung eher inaktiv waren: In dieser Gruppe senkt körperliche Aktivität nach der Tumorerkrankung die Gefahr eines Rückfalls und erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine dauerhafte Heilung.

Auszug Anzeige aus dem Hamburger Ärztemagazin, erschienen am 14.09.2017

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