Altershirndruck

PROF. DR. UWE KEHLER
Asklepios Klinik Altona

Altershirndruck

Die heimliche Volkskrankheit

Prof. Dr. Uwe Kehler gehört zu den international renommiertesten Experten für die Therapie des Normaldruckhydrocephalus
Prof. Dr. Uwe Kehler gehört zu den international renommiertesten Experten für die Therapie des Normaldruckhydrocephalus

Kommt ein älterer Mensch mit unsicherem Gang in die Praxis, denken viele Ärzte an Parkinson-Krankheit, Polyneuropathie oder Wirbelkanalstenosen. Bei zunehmenden Gedächtnisstörungen steht zudem der Verdacht im Raum, es könne sich um Alzheimer handeln. Und eine Blasenschwäche wird oft als altersbedingt hingenommen. Dabei gibt es eine sehr häufige und trotzdem oft übersehene Krankheit, die für alle diese Symptome verantwortlich sein kann: den „Altershirndruck“ – in Fachkreisen Normaldruckhydrocephalus (NPH) genannt. „Wir schätzen, dass bis zu fünf Prozent der über 65-Jährigen davon betroffen sind“, sagt Prof. Dr. Uwe Kehler, Chefarzt der Neurochirurgie in der Asklepios Klinik Altona. Deutschlandweit gebe es demnach rund 800.000 Patienten mit einem meist unerkannten „Altershirndruck“, in Hamburg bis zu 20.000: „Etwa jeder zehnte Bewohner in den Pflegeheimen hat diese Krankheit, wir gehen dabei von einer Dunkelziffer von 50-75 Prozent aus, die nicht erkannt und behandelt wurden.“

Der „Altershirndruck“ ist im Grunde eine Gefäßkrankheit. Die alternden Gefäße sind weniger elastisch und deshalb nicht mehr in der Lage, die Pulswellen aus dem Herzen abzufedern und in einen kontinuierlichen Blutfluss zu überführen. Das führe dazu, dass der Pulsschlag förmlich auf das Gehirn einhämmere, wobei die mit Flüssigkeit gefüllten Hirnkammern als festes Widerlager dienen, erläutert Kehler. So gehen immer mehr Nervenzellen zwischen Blutgefäßen und Hirnkammern zugrunde – obwohl der Druck in den Hirnkammern eigentlich völlig normal ist. Deshalb sprechen Ärzte auch von einem „Normaldruckhydrocephalus“. Ein „Altershirndruck“ schreite immer voran und sollte zügig behandelt werden, um dauerhafte Schäden, eine verfrühte Pflegebedürftigkeit und Sterblichkeit zu verhindern, so Kehler: „Aktuelle Studien zeigen, dass mehr als 90 Prozent der unbehandelten Betroffenen innerhalb von fünf Jahren versterben, aber weniger als 20 Prozent der behandelten Patienten.“

Symptome und Diagnostik
Typisch für den „Altershirndruck“ ist eine besondere Gangstörung: „Die Betroffenen sind unsicher beim Gehen, sie stellen ihre Füße weiter auseinander, um Halt zu finden“, erklärt Kehler. „Später können sie die Füße nicht mehr richtig heben, bekommen einen schlurfenden Gang.“ Parkinson-Patienten hätten oft eine sehr ähnliche Gangstörung, wobei deren Arme aber zusätzlich herunterhingen, statt mitzuschwingen. Daneben treten beim NPH häufig eine Inkontinenz und zunehmende Gedächtnisstörungen auf – aber nur bei jedem zweiten Patienten seien alle drei Symptome gleichzeitig vorhanden, so Kehler. Nur die Gangstörung gehöre in jedem Fall dazu: „Eine Demenz ohne Gangstörung ist sicher nicht auf einen Normaldruckhydrocephalus zurückzuführen.“ Zur Sicherung der Diagnose muss eine Bildgebung, am besten eine Kernspintomographie, durchgeführt werden. Sind dabei typische Veränderungen der Hirnkammern zu erkennen, folgt ein sogenannter Liquorablasstest. Dabei wird aus dem Wirbelkanal Hirnwasser abgelassen und in den folgenden Stunden und Tagen beobachtet, ob sich die Beschwerden bessern.

„Vielen Betroffenen können wir mit einem relativ einfachen operativen Eingriff zu neuer Lebensqualität verhelfen.“

Bei Tumor- und Wirbelsäulenoperationen setzen die Neurochirurgen der Asklepios Klinik Altona Hochleistungsmikroskope der neuesten Bauart ein.
Bei Tumor- und Wirbelsäulenoperationen setzen die Neurochirurgen der
Asklepios Klinik Altona Hochleistungsmikroskope der neuesten Bauart ein.

Behandlung
Zur Behandlung setzt Kehler in den meisten Fällen einen sogenannten Shunt ein, der Hirnwasser gezielt über einen Schlauch in die Bauchhöhle ableitet und so den Druck im Hirnkammersystem gerade so weit reduziert, dass das Nervengewebe nicht mehr durch die hämmernden Pulswellen geschädigt wird. Der Shunt besteht aus einem Ventil mit einer Gravitationseinheit, die verhindert, dass im Stehen zu viel Hirnwasser abgeleitet wird. Die Risiken dieser Operationen seien heute sehr gering und fielen im Vergleich zu den Vorteilen kaum ins Gewicht, betont Kehler, der sich seit langem auf die Behandlung des NPH spezialisiert hat und international zu den gefragtesten Experten auf diesem Gebiet zählt. Durch die Senkung des Hirnwasserdrucks lässt sich die Belastung des Nervengewebes so weit verringern, dass sich die noch nicht zerstörten Nervenzellen wieder erholen. In der Folge verbessere sich die Gangstörung sehr deutlich, und auch die Inkontinenz lasse häufig nach, so Kehler: „Schwierig vorherzusagen sind die Erfolgschancen bei der Demenz, aber in vielen Fällen gibt es auch hier erstaunliche Ergebnisse.“ Selbst bereits bettlägerige Patienten würden durch die Therapie oft wieder gehfähig, zumindest mit einem Rollator.

Gehirn- und Wirbelsäulenoperationen
Über große Expertise verfügen Kehler und sein Team auch in der Hirntumorchirurgie: „Hier
kommt modernste Technik mit Navigation, Hochleistungsmikroskopen, intraoperativer Bildgebung und Funktionsüberwachungen des Nervensystems zum Einsatz“, so Kehler. Die hochentwickelte mikroskopische
Chirurgie mache Gehirn- und Rückenmarksoperationen heute zu sicheren Eingriffen. Bei Operationen an der Wirbelsäule, zum Beispiel bei Bandscheibenvorfällen und Wirbelkanalstenosen, profitierten die Patienten besonders von der Mikroneurochirurgie, erläutert Kehler: „Die schonenden Eingriffe machen Versteifungen der Wirbelsäule häufig überflüssig.“

Prof. Dr. Uwe Kehler
Neurochirurgie
Asklepios Klinik Altona

Paul-Ehrlich-Straße 1
22763 Hamburg
Tel.: (040) 18 18-81 16 71
Fax: (040) 18 18-81 16 49
www.neurochirurgie-aka.de

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Prof. Kehler erklärt die Positionierung des Shuntventils
Prof. Kehler erklärt die Positionierung des Shuntventils

Auszug Anzeige aus dem Hamburger Ärztemagazin, erschienen am 29.05.2017

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