Wenn der Blutdruck an die Nieren geht

PROF. DR. MARTIN K. KUHLMANN
Vivantes Klinikum im Friedrichshain

Wenn der Blutdruck an die Nieren geht …

Interview mit Prof. Dr. Martin K. Kuhlmann, Spezialist für Nierenerkrankungen und Bluthochdruck

Prof. Kuhlmann behandelt Erkrankungen der Niere und Bluthochdruck
Prof. Kuhlmann behandelt
Erkrankungen der Niere und Bluthochdruck

In der Nieren- und Bluthochdruck-Ambulanz des Klinikums im Friedrichshain behandeln Prof. Dr. Martin Kuhlmann und Mitarbeiter vornehmlich Patienten mit Nierenerkrankungen und Patienten mit Bluthochdruck. Das Berliner Ärztemagazin sprach mit Prof. Kuhlmann, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Schwerpunktklinik für Nephrologie am Vivantes Klinikum im Friedrichshain.

BÄM: Prof. Kuhlmann, Sie sind Nephrologe, Diabetologe und Hypertensiologe. Eine auf den ersten Blick ungewöhnliche und seltene Kombination.
Prof. Kuhlmann: Sicherlich selten, aber äußerst sinnvoll. Bluthochdruck und Diabetes sind schließlich die bedeutendsten Volkskrankheiten, und auch eine eingeschränkte Nierenfunktion kann man heute als Volkskrankheit bezeichnen, die sich bei etwa 5 % der Bevölkerung findet. Wenn man dazu bedenkt, dass Bluthochdruck und Diabetes die häufigsten Ursachen für eine chronische Nierenerkrankung sind, macht es umso mehr Sinn, sich intensiv mit diesen drei Erkrankungen zu beschäftigen.

BÄM: Daher ist Ihre Ambulanz auf die Behandlung von Nierenerkrankungen und Bluthochdruck spezialisiert.
Prof. Kuhlmann: In unserer Ambulanz und Klinik behandeln wir bevorzugt vor allem Patienten mit akuten oder chronischen Nierenleiden, zum Beispiel im Rahmen des Diabetes, und solche mit neu aufgetretenem oder schwer einstellbarem Bluthochdruck. Diese Erkrankungen sind eng miteinander verwoben. Zum einen führt ein erhöhter Blutdruck langfristig zu schweren Nierenschäden und zum anderen stellt eine unerkannte Nierenerkrankung eine gar nicht so seltene Ursache für eine Hypertonie dar. Das liegt daran, dass eine kranke Niere Systeme im Körper anregt, wie etwa das Renin-System, welche den Blutdruck deutlich steigern. Das können auch wir mit verschiedenen Methoden nachweisen.

„Rechtzeitig erkannt, sind Erkrankungen der Niere und Bluthochdruck gut behandelbar.“

Prof. Kuhlmann im Beratungsgespräch
Prof. Kuhlmann im Beratungsgespräch

BÄM: Wie therapieren Sie geschädigte Nieren?
Prof. Kuhlmann: Am Anfang steht immer eine gründliche Diagnostik, für die uns neben einer ausgefeilten Labordiagnostik auch alle nichtinvasiven und invasiven Verfahren des Klinikums zur Verfügung stehen, etwa die CT, die MRT, die Angiographie oder die Nierenszintigraphie. Mit dem Ultraschall können wir die Durchblutung der Niere beurteilen und Gefäß-Engstellen, sogenannte Arterienstenosen, oder Nierensteine feststellen. Störungen der Nierenfunktion weisen wir dabei bereits nach, bevor sie im Rahmen von Routine-Laboruntersuchungen überhaupt auffallen. Nach der Diagnostik erfolgt dann eine gezielte Therapie, entweder ambulant oder bei Bedarf natürlich auch stationär. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf immunologischen Erkrankungen, die auch die Nieren betreffen und bei rechtzeitiger Diagnose oft gut behandelbar sind. Dafür setzen wir moderne Immunsuppressiva wie Antikörper und andere Biologika ein. Das sind Medikamente, die das Immunsystem kontrollieren können.

BÄM: Bei Nierenerkrankungen denken viele gleich an das „Schreckensbild“ der Dialyse.
Prof. Kuhlmann: Als Nephrologen sind wir primär Spezialisten in der Verhinderung der Dialyse. Aber wenn die Nieren ihre Funktion fast vollständig eingebüßt haben, dann stehen wir auch als Fachleute in der Nierenersatztherapie, also der Dialyse, zur Verfügung. Bei der Dialysetherapie legen wir besonderen Wert auf den Erhalt der Selbständigkeit unserer Patienten. Mit der Bauchfelldialyse, in der Fachsprache Peritonealdialyse genannt, steht uns ein Verfahren zur Verfügung, das auch von unseren meist älteren Patienten allein oder mit Unterstützung bequem zu Hause durchgeführt werden kann. In diesem Bereich sind wir Vorreiter beim Einsatz moderner Telemedizin, was allen Beteiligten mehr Sicherheit und Austausch ermöglicht.

„Wir können Störungen der Nierenfunktion bereits nachweisen, bevor sie im Rahmen von Laboruntersuchungen überhaupt auffallen.“

BÄM: Und welche Behandlungsmöglichkeiten im Bereich des Bluthochdrucks gibt es? Ist es immer gleich der „Blutdrucksenker“?

Prof. Kuhlmann: Wir haben eine große Expertise in der medikamentösen, aber gerade auch in der nicht-medikamentösen Behandlung des Bluthochdrucks. Mit Hilfe einer modernen Bioimpedanzmethode können wir seit Kurzem herausfinden, ob der Bluthochdruck zum Beispiel durch einen erhöhten Gefäßtonus oder ein hyperdynamisches Stress-System bedingt ist oder andere Ursachen hat. Mit diesen Daten können wir die Therapie individuell ausrichten und auch gezielt mit Umstellung der Lebensgewohnheiten oder Ernährung helfen. Oft reicht dann unter Ausnutzung moderner Kombinationspräparate eine einzige Tablette am Tag. Erst nach erfolgreicher Blutdrucksenkung realisieren viele Patienten, wie unruhig und reizbar sie vorher waren. Hilfreich bei der Behandlung sind auch Apps, die es erlauben, Blutdruckwerte zu dokumentieren und aktiv elektronisch an die Ambulanz zu übermitteln. Das Arzt-Patienten-Gespräch findet dann auf einer ganz anderen Informationsebene statt und ist für beide Seiten sehr befriedigend.

Mit Hilfe von Blutdruck-Apps wird der Blutdruckwert überwacht und in die Ambulanz übermittelt
Mit Hilfe von Blutdruck-Apps wird der Blutdruckwert überwacht und in die Ambulanz übermittelt

Vivantes Klinikum im Friedrichshain
Klinik für Innere Medizin – Nephrologie
Nieren-Ambulanz
Bluthochdruck-Ambulanz
Landsberger Allee 49
10249 Berlin
Tel.: (030) 130 23 1322

Terminvergabe und Auskunft: (030) 130 23 1219
Hotline für Niedergelassene:
(0151) 5262 9140
nephrologische-fachambulanz.kfh@vivantes.de
www.vivantes.de

Schwerpunkte
Akute und chronische Nierenerkrankungen
Komplizierter Bluthochdruck
Diabetes und Folgeerkrankungen
Immunologische Erkrankungen
Telemedizin-assistierte Peritonealdialyse

Gesetzliche Krankenkassen
Private Krankenversicherung
Selbstzahler

Auszug Anzeige aus dem Berliner Ärztemagazin, erschienen am 09.12.2016

0

0%